Technisches Hanf (Nutzhanf)
Über technisches Hanf
Technischer Hanf sind eigentlich zweihäusige Pflanzen mit aufrechten Stängeln. Hanf wird in weibliche Pflanzen unterteilt, die niedriger, aber dafür dichter sind, und männliche Pflanzen, die im Gegensatz dazu hoch und schlank sind. Die Stängel sind etwa 2,5 bis 3 Meter hoch. Manchmal kann ihre Höhe bis zu 5 Meter erreichen.
Aus technischem Hanf (Cannabis sativa) kann fast alles genutzt werden! Von dieser Pflanze kann man Hanffaser, Öl und nährstoffreiche Samen gewinnen. Zum Anbau werden keine Gifte (Pestizide und Herbizide) benötigt. Hanf ist nämlich eine hohe Pflanze und überwächst schnell alle anderen Pflanzen und Unkräuter. Er ist selbst ein sehr widerstandsfähiges Unkraut. Das tut jedoch dem Nutzen des Hanfs keinen Abbruch.
Technischer Hanf zeichnet sich für die Industrie als hervorragende Pflanze aus. Mit seinen günstigen Wachstumseigenschaften (dünnem, unverzweigtem Stängel) und praktisch null THC-Gehalt (max. 0,2% nach EU-Normen).
Cannabis Sativa
Hier bei uns in der Tschechischen Republik kommen diese Hanfarten am häufigsten vor:
- Nutzhanf (=technischer Hanf) wird für seine langen und festen Stängel angebaut, die in der Textilindustrie (Hanfstoff) verwendet werden. Er wird auch für seine ölhaltigen Samen sehr genutzt. Das aus den Samen gewonnene Öl wird in Kosmetik, Lebensmitteln, zur Herstellung von Schmierstoffen, Seifen und sogar Farben verwendet. Es ist eine vielseitig nutzbare Pflanze. Dieser Hanf enthält kein oder sehr niedriges Prozent THC.
- Indischer Hanf wird hauptsächlich für sein Harzsekretion gezüchtet. Diese Hanfart wird vor allem zum Rauchen von Marihuana verwendet. Er wird hauptsächlich zur Herstellung von weichen Drogen und Haschisch genutzt.
- Ruderalhanf ist eine Unkrautpflanze, die zu uns aus Südukraine gekommen ist.
Etwas aus der Vergangenheit
Der Hanfanbau begann bei uns etwa im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach 1840 wurden drei Fabriken zur Verarbeitung von Fasern und Textilien in Betrieb genommen.
Anfang des 20. Jahrhunderts ging man zu günstigeren Alternativen über, wie synthetische Materialien (Silon, Nylon,...). Von den wenigen hundert Hektar, die hier angebaut wurden, wurden aus den Fasern beispielsweise Seile, Säcke oder Netze hergestellt...
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in der Tschechoslowakei etwa 9000 ha angebaut, 1930 etwa 4500 ha. 1935 wurde Hanf als "neue Ersatzfrucht" diskutiert. Experten beschäftigten sich mit der Forschung qualitativ hochwertiger Sorten. Das Interesse war da, aber es fehlte die Verarbeitungsindustrie und somit der Absatz des angebauten Materials. 1955 waren bei uns etwa 220 ha mit Hanf bestellt.
Gesetzlich
Bis 1996 stand der Hanfanbau bei uns nicht im Widerspruch zur Gesetzgebung. Zum 1. Januar 1999 trat das Gesetz Nr. 167/98 „Über Suchtstoffe" in Kraft, das den Anbau von Hanf und Mohn regelt. Seit Mitte der 90er Jahre wurde die Entwicklung der Hanfanbauer vor allem durch das Interesse der Flachsverarbeiter bestimmt, die ähnliche technologische Verfahren nutzen. Unter der Schirmherrschaft des Flachsverbandes finden seit 1999 regelmäßig Flachs- und Hanftage sowie Hanfernteveranstaltungen statt.
Im April 1999 entstand der Verein Konopa. Konopa beteiligt sich an ökologischen und kulturellen Veranstaltungen. Sie organisieren Fachbildungsveranstaltungen und bieten Informationen über die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Vorteile von Hanf.
Derzeit gibt es drei Betriebe, die Fasermaterialien für die Automobilindustrie verarbeiten. Ihre jährliche Verarbeitungskapazität übersteigt 1000 Tonnen Faser. Die Nachfrage übersteigt hier langfristig das Angebot mehrfach. Es besteht also die Voraussetzung für einen starken Anstieg der Anbaufläche in den nächsten 10 Jahren.
Wo und wie Nutzhanf angebaut wird
Der beste Ort für den Hanfanbau ist ein wärmeres Gebiet mit fruchtbarem Boden. Bei uns kann Hanf in allen fruchtbareren Gebieten der Tschechischen Republik angebaut werden. Hanf ist überempfindlich gegen Frost, sensibler als Flachs. Junge Pflanzen vertragen schwache Fröste, dennoch ist Wärme für sie besser geeignet. Die empfohlene Aussaatzeit wird in der Zeit der „Eisheiligen" (nach dem 14. Mai) geschätzt.
In der ersten Wachstumsphase benötigt Hanf viel Bewässerung, daher wird ihm ausreichend Wasser gegeben, später ist er bereits in der Lage, vorübergehende Trockenheit zu widerstehen. Der Boden ist für Hanf schon anspruchsvoller. Am besten sind fruchtbare, tiefe und bearbeitbare Böden. Es sollten lehmige und lehmig-sandige Böden mit niedrigem Grundwasserspiegel sein. Wichtig sind gute Düngung und eine ordentliche Portion Humus. Hanf mag keine sauren Böden und wächst am besten auf neutralen bis leicht alkalischen Böden.
Anbau durch Gesetzgebung eingeschränkt
Der Anbau von Nutzhanf (technischem Hanf) ist hier durch den Gemeinsamen Sortenkatalog der Arten landwirtschaftlicher Pflanzen der EU geregelt, der in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Artikels 17 der Richtlinie 2002/53/EG des Rates vom 13. Juni 2002 herausgegeben wird.
Es sind hier Züchtungssorten von Nutzhanf aufgeführt, die weniger als 0,3% THC enthalten. Im Anhang sind Hanfsorten aufgeführt, die zur Faserproduktion angebaut werden und im Wirtschaftsjahr 2007/08 genehmigt wurden.
Produkte und Erzeugnisse von technischem Hanf
Das Spektrum der Hanfprodukte ist sehr breit, es können bis zu 25.000 zu 100% recycelbare Produkte hergestellt werden. In westlichen Ländern werden technischer Hanf häufig angebaut und verarbeitet. Bei uns in der Tschechischen Republik befindet sich alles in der Forschungs-, Versuchs- und Testanbauphase. Obwohl wir eine sehr wohlwollende Einstellung zum Hanf haben, sind Produkte aus technischem Hanf bei uns immer noch eher ungewöhnlich, obwohl es sich um eine völlig normale Sache handelt.
Die Grundrohstoffe sind Biomasse und Samen. Der Stängel eignet sich beispielsweise zur Herstellung von Biokraftstoffen – Benzin, Briketts, Holzkohle, Methanol oder Elektrizität. Zellulose und Hemizellulose, die sich im Mark befinden, können in Alkoholkraftstoffe umgewandelt werden. Hanf kann jedoch für viele weitere Produkte genutzt werden.
Hanf kann in den Bereichen Lebensmittel, Chemie und Textilindustrie, natürlich in der Medizin, Kosmetik usw. verwendet werden. Bei uns wird Nutzhanf hauptsächlich für Vliesstoff, Papier- und Automobilindustrie sowie für Bautzwecke genutzt. Bedeutend ist die Nutzung der holzigen Masse (Schäben) für energetische Zwecke in Form von Biopellets. Damit kann man beispielsweise in Kaminöfen, Kaminen und anderen Öfen oder Kesseln für feste Brennstoffe heizen. Die Briketts werden ohne jegliches Bindemittel gepresst, enthalten also keine schädlichen Stoffe. Sie haben die Form eines Zylinders mit einem Durchmesser von 6,5 cm. Der Heizwert liegt bei etwa 16,5 MJ/kg bei einer Feuchtigkeit von 9%.
Hanfsamen enthalten 30 – 35% austrocknendes Öl mit hohem Anteil an Fettsäuren.
Hanföl, gewonnen durch Pressen von Hanfsamen, kann als Motorenkraftstoff, zur Herstellung von Farben und Lacken und auch in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Hanfsamen werden in der Lebensmittelindustrie und bei Vogelzüchtern sehr häufig genutzt (sehr gutes Futtermittel).
Häufigste Verwendung von Nutzhanf:
- PAPIER
- KLEIDUNG UND SEILE
- KRAFTSTOFF
- KOSMETIK
- BIOMASSE
- MEDIZINISCHE ZWECKE (häufiger Indischer Hanf, aufgrund der Cannabinoidmenge)

