Darmflora und Endocannabinoidsystem
- Neue Forschungen, die in den letzten fünf Jahren veröffentlicht wurden, enthüllen uns wichtige Fakten über Billionen von bakteriellen "Begleitern", die in unserem Darm leben
- Als Wirte dieser Mikroben teilen wir mit ihnen eine einzigartige symbiotische Beziehung
Die sogenannte Darm-Mikroflora jedes Einzelnen besteht aus etwa 100 Billionen Zellen (was 10-mal mehr Zellen sind als im Rest des menschlichen Körpers). Darüber hinaus leben in jedem von uns etwa 160 verschiedene Mikrobenstämme, wobei die Gesamtzahl der bisher entdeckten Arten etwa 1500 beträgt. Einige dieser Mikrobenstämme sind in der Grundmikroflora der meisten Individuen vorhanden, andere sind sehr einzigartig.
Die Gesamtzusammensetzung der menschlichen Darm-Mikroflora ist sehr relativ - in der Endergebnis-Zusammensetzung spiegeln sich Faktoren wie die geografische Lage des Individuums, Ernährungsgewohnheiten und nicht zuletzt auch körperliche Aktivität und der gesamte Lebensstil wider.
Bei Bedarf einer Anpassung der Mikroflora eines Individuums werden oft Präbiotika (die in unverdaulichen Nahrungsteilen wie Ballaststoffen vorkommen) in Kombination mit Probiotika (lebende Mikroorganismen, die in der Lage sind, die Darm-Mikroflora positiv zu bereichern) empfohlen.
Bisherige Studien belegen die Fähigkeiten der Darm-Mikroflora, die eine Reihe von physischen und psychischen Funktionen des menschlichen Körpers beeinflussen, die weit über die Verdauung hinausgehen.
Der Zustand dieser Mikroorganismen steht in engem Zusammenhang mit anderen Funktionen des menschlichen Körpers, wie zum Beispiel:
- Immunsystem
- Entzündungskontrolle
- Abwehr gegen unerwünschte Pathogene
- Metabolismus von Fetten, Proteinen und Kohlenhydraten
- Mentale Leistung (ein ungesundes Mikrobiom kann zu Depressionen und Angstzuständen führen)
"Unerwünschte Schwankungen in der Struktur der Darm-Mikroflora sind die häufigste Ursache für die Entwicklung von Krankheiten und Gesundheitsdysfunktionen."

Kommunikation zwischen dem Endocannabinoid-System und der Darm-Mikroflora
Derzeit kommen immer mehr Daten ans Licht, die die Verbindung zwischen der Darm-Mikroflora und dem Endocannabinoid-System bestätigen. (Mehr im Artikel "Einführung in das Endocannabinoid-System")
Aus vorherigen Forschungen wissen wir bereits, dass menschliche Endocannabinoide am häufigsten in Organen produziert werden, die für die richtige Funktion des Metabolismus, des Energiegleichgewichts und des Körpergewichts verantwortlich sind (z.B. Gehirn, Bauchspeicheldrüse, Fettgewebe und Muskulatur).
Wir haben auch gelernt, dass Endocannabinoide für die Kontrolle verantwortlich sind:
- Magenentleerung
- Gastrointestinale Motilität (Darmbeweglichkeit)
- Sättigungsgefühl
- Appetit
- Fettablagerung
- Blutzuckerspiegel nach dem Essen
Die Darm-Mikroflora ist unter anderem verantwortlich für:
- Kontrolle der Energienutzung durch Regulierung der Fettablagerung im Fettgewebe
- Regulierung der Insulinsensitivität
Wie Sie sicherlich sehen, sind die Funktionen der Darm-Mikroflora und des Endocannabinoid-Systems eng miteinander verbunden.
Die Verbindung dieser beiden Systeme wurde erstmals in einer Studie aus dem Jahr 2007 erwähnt, bei der an Mäusen eine Verringerung der Bauchschmerzen nach Verabreichung des Probiotikums Lactobacillus beobachtet wurde, was zu einer erhöhten Produktion von intestinalen Endocannabinoiden führte.
Adipositas wird oft mit dem Zustand des "durchlässigen Magens" in Verbindung gebracht, bei dem die Durchlässigkeit der Magenwand erhöht ist und unerwünschte bakterielle Komponenten absorbiert werden, was zu einer Entzündung des gesamten Verdauungssystems führt. Die erhöhte Durchlässigkeit der Magenwand führt zu einer gesteigerten Produktion von Endocannabinoiden durch das Immunsystem und das Fettgewebe, was letztendlich die Teilung und das Wachstum von Fettzellen (Adipogenese) beschleunigt.
Die Funktion der Magenwand und intestinale Durchlässigkeit wurde auch in einer weiteren Studie untersucht, die die positive Wirkung der Verabreichung probiotischer Bakterien nachwies, was zu einer Erhöhung der Produktion bestimmter Cannabinoidtypen und gleichzeitig zu einer Verringerung der Produktion anderer führte. Laut Wissenschaftlern sind diese Erkenntnisse ein klarer Hinweis darauf, dass die Funktion der Darm-Mikroflora eng mit dem Endocannabinoid-System verbunden ist, wobei die Funktion der Endocannabinoide darin besteht, die Durchlässigkeit der Magenwand entweder zu erhöhen oder zu verringern.
All diese Fakten und Erkenntnisse zeigen uns anschaulich, dass zwischen Magen, Darm und dem Endocannabinoid-System eine bestimmte Verbindungsachse oder ein Mechanismus existiert, der zum Beispiel der Achse zwischen Darm und Gehirn ähnelt (z.B. Serotonin-Produktion - ein Hormon, das unter anderem die Stimmung und das Frischegefühl reguliert).
Dadurch erklärt sich auch der positive Einfluss von exogenen Cannabinoiden (zum Beispiel durch Verabreichung von medizinischem Cannabis) auf Darmentzündungen oder zur Verringerung der Chancen auf Diabetes.
