"Cannabis verursacht Schizophrenie" Wirklich?
- Über Schizophrenie, verursacht durch medizinisches Cannabis, haben wir bereits viel gehört, insbesondere von Prohibitionisten.
- Neue Forschungen widerlegen jedoch jegliche kausale Beziehung zwischen der Entwicklung von Schizophrenie und Cannabiskonsum und erhellen gleichzeitig die gesamte Situation.
- Laut heutigen Studien scheint es, dass Schizophrenie eher zum Cannabiskonsum führt - das genaue Gegenteil dessen, was Prohibitionisten behauptet haben.
Eine Studie der Universität Bristol, die versucht, die Problematik zu beleuchten, nutzt bereits gut kartierte, beobachtbare Daten über Assoziationen zwischen Cannabiskonsum und Schizophrenie. Die Forscher erwähnen in dieser Studie unter anderem, dass der Zusammenhang zwischen Cannabis und Schizophrenie bis heute nur wenig verstanden wird und dass es sich als äußerst problematisch erwiesen hat, nachzuweisen, dass Cannabis der Auslöser dieser Krankheit ist.
Wie äußert sich Schizophrenie?
Schizophrenie ist eine lebenslange psychische Erkrankung, die unter anderem den Zusammenbruch der subjektiven Beziehung zwischen Emotionen, Gedanken und Verhalten verursacht. Dieser Zustand führt zu gestörter Wahrnehmung, unangemessenen Handlungen und Gefühlen, Entfremdung von der Realität und bisherigen zwischenmenschlichen Beziehungen und schließlich zu völliger mentaler Fragmentierung, Halluzinationen und einem Leben in sogenannter "Fantasie".
Obwohl bisher keine wirklich wirksame Behandlung für diese psychische Erkrankung gefunden wurde, ist eine therapeutische Intervention möglich. Dr. Suzi Gage, eine der Hauptwissenschaftlerinnen der bereits erwähnten Studie des Bristoler Instituts für experimentelle Psychologie, erklärt, dass der Konsum von Cannabis nicht zur Schizophrenie führt, sondern umgekehrt:
„Unsere Ergebnisse wurden mit modernsten Methoden erzielt, mit denen wir versuchen, das mysteriöse Knäuel der Assoziationen zwischen Schizophrenie und Cannabiskonsum zu entwirren. Bisher haben wir starke Beweise dafür, dass Patienten, die an dieser psychischen Erkrankung leiden, erst nach Ausbruch der Krankheit Cannabis zu konsumieren beginnen. Dies stellt jedoch die möglichen kausalen Risiken des Cannabiskonsums bei Schizophrenen nicht in Frage", erklärt Dr. Gage. „Es wird sehr interessant sein, einen tieferen Einblick in die Subpopulation schwerer Cannabisnutzer zu erhalten, die gleichzeitig ein höheres Risiko für die Entwicklung von Schizophrenie haben."
Forschung zu Schizophrenie und Cannabis - "Wir brauchen mehr Daten"
Ein bedeutender Mangel der Forschung ist bisher die unzureichende Datenbank über Probanden, die sich nur darauf beschränkt, ob sie medizinisches Cannabis jemals im Leben konsumiert haben oder nicht. Eine detailliertere Datenbank mit Informationen darüber, wie oft und in welchen Dosen sie konsumiert haben oder weiterhin konsumieren, würde der nachfolgenden Studie genauere Schlussfolgerungen ermöglichen.
„Was wir wirklich bräuchten, ist eine Datenbank genetischer Variabilitäten, die schweren oder leichten Cannabiskonsum vorhersagen. Bisher sieht es so aus, als ob das einzige Muster, das theoretisch die Chancen auf die Entwicklung von Schizophrenie erhöhen könnte, der schwere, chronische Cannabiskonsum wäre", erklärt Gage weiter. „Sobald die genetischen Voraussetzungen für chronischen Konsum identifiziert sind, können wir mit Sicherheit seine Verbindung zur Entwicklung von Schizophrenie feststellen."
Pro-Cannabis-Befürworter protestieren bereits seit geraumer Zeit gegen Beweise für die Verursachung von Schizophrenie durch Cannabis. Einer von ihnen ist Paul Armentano, stellvertretender Direktor einer nationalen Organisation in den USA, die für eine Reform der Gesetze zum medizinischen Cannabis kämpft.
„Die Daten, die wir hier sehen, zeigen uns klar, dass wir bei der Cannabis-Gesetzgebung zu vernünftigen, sinnvollen und vor allem humanen Gesetzen übergehen müssen", erklärt Armentano. „Die derzeit nachgewiesenen Risiken des Cannabiskonsums lenken uns logischerweise nur zur Regulierung, keinesfalls zur Kriminalisierung. Der Hauptzweck der Regulierung ist es, den Zugang zu Cannabis für Risikogruppen zu begrenzen, übertriebene Strafen zu verhindern und das allgemeine Bewusstsein und die Bildung rund um Cannabis zu verbessern."
Cannabiskonsum steigt, Anzahl der Schizophrenie-Fälle bleibt gleich
„Weitere separate Studien lehnen weitgehend den kausalen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und der Entwicklung von Schizophrenie ab, und zwar vor allem deshalb, weil das Volumen des medizinischen Cannabiskonsums in den letzten Jahren drastisch gestiegen ist, während die Zahl der Schizophrenie-Fälle statisch bleibt."
Armentano kommentiert die neueste Forschung wie folgt:
„Das Einzige, was die neueste Forschung mit Sicherheit zeigt, ist die Tatsache, dass Personen, die anfälliger für die Entwicklung von Schizophrenie sind, auch anfälliger für den Beginn des Cannabiskonsums in jüngerem Alter sind. Wir haben also keinen Beweis dafür, dass Cannabis ein Auslöser für Schizophrenie ist. Es gibt jedoch eine gewisse Beziehung zwischen schwerem, chronischem Cannabiskonsum in sehr jungem Alter, der bei Personen mit Psychose-Anfälligkeit wahrscheinlicher ist."
Autor: Jimi Devine
Übersetzung: Filip Maral
Quellen: cannabisnow.com
Bilder: espira.or mac.h-cdn.co
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